Häufige Fragen

Wozu ein Gutachten?

Ein Gutachten dokumentiert u.a. Schadensumfang und –höhe, den jeweiligen Wiederbeschaffungswert und Restwert eines Fahrzeuges.
Es enthält ggf. Angaben zu Wertminderung und Nutzungsausfall, je nach Alter, Laufleistung und Nutzungsart.
Es dient zur Schadensregulierung bei Versicherungen, Rechtsanwälten und Werkstätten.
Gleichzeitig wird dem Fahrzeugbesitzer, im Falle einer Veräußerung, eine Grundlage für spätere Verkaufsverhandlungen geschaffen, da eine sogenannte Offenbarungspflicht für den Verkäufer besteht.

Wer trägt die Kosten eines Gutachten?

Der Schädiger, bzw. seine regulierende Versicherung, hat die Kosten hierfür zu übernehmen, wenn die Haftungsfrage eindeutig ist.
Sollte eine Mitschuld zum tragen kommen, werden diese Kosten anteilig berechnet und der eigenverschuldete Anteil geht zu Ihren Lasten.

Schnelle Regulierung?

Frage:

Die gegnerische Versicherung bietet mir als Geschädigtem an, dass eine schnelle Regulierung erfolgen würde bis zur Schadenshöhe von z.B. 3.000 Euro und dazu eine Kalkulation der Werkstatt mit Fotos ausreichen würde. Es wäre kein Gutachten erforderlich.
Ist dies korrekt?

Antwort:

Nein!
Die Werkstatt kann nur einen Kostenvoranschlag bezüglich eventueller Reparaturkosten erstellen, der aber keine rechtlich bindende Funktion gegenüber der Versicherung hat.
Hiermit werden Ihnen Ansprüche vorenthalten, die Ihnen, aus dem Schadensgeschehen begründet, zustehen.
Dazu zählen Angaben zu eventuell anfallender Wertminderung, Nutzungsausfall, Wiederbeschaffungswert und Restwert.
Solche Angaben fehlen, denn diese können nur von einem KFZ-Sachverständigen ermittelt und dokumentiert werden.

Instandsetzung in Fremdwerkstatt?

Frage:

Die Versicherung bietet mir an, den Wagen in einer, von ihr benannten, Werkstatt instand setzen zu lassen. Im Rahmen dessen wird ein kostenloser Leihwagen und Hol- und Bringservice angeboten. Ist dies sinnvoll oder kann ich in der Werkstatt meines Vertrauens reparieren lassen?

Antwort:

Hierzu muss man unterscheiden zwischen:

  • Haftpflichtfall (Ihr Wagen wurde beschädigt, gegnerische Versicherung) und dem
  • Kaskofall (der Schaden wurde selbst verursacht, eigene Versicherung).

Im ersten Fall haben Sie generell das Recht, den Wagen in der Werkstatt Ihres Vertrauens reparieren zu lassen. Sie haben Anspruch auf Instandsetzung in der jeweiligen Markenwerkstatt, die auch entsprechend über Originalersatzteile und die über, jeweils von den Herstellern/Importeuren vorgeschriebenen, Reparaturschulungen und Instandsetzungsverfahren verfügen.

Im zweiten Fall kommen die jeweiligen Vertragsbedingungen der Versicherer zum tragen.
Je nach Vertrag wird eine Steuerung der Reparatur vorgegeben und Sie haben nicht unbedingt die freie Wahl der Werkstatt oder des Sachverständigen. Dies hängt mit den jeweiligen AKB´s zusammen, die teilweise eine freie Wahl ausschließen. Im Gegenzug wird eine kleinere Versicherungsprämie eingeräumt.
Dadurch können die Versicherer kostengünstig Ihren Wagen in einer so genannten „Partnerwerkstatt" reparieren lassen, die aber nicht unbedingt eine Markenvertretung sein muss.
Daraus resultieren aber unter Umständen, bei neueren Fahrzeugen, weitere Risiken, die jeweilige Herstellergarantie betreffend. Die Hersteller/Importeure sehen in ihren Garantie-/Kulanzregelungen eine Reparatur ausschließlich in einer entsprechenden Vertragswerkstatt ihrer Marke vor. Falls nun eine andere, freie Werkstatt Reparaturen vornimmt, kann möglicherweise eine Garantie/Kulanz ausgeschlossen werden.
Es sollte auch berücksichtigt werden, ob ein Fahrzeug finanziert/geleast wurde, denn diese Verträge können auch Klauseln bezüglich Werkstattbindung enthalten, wodurch die Werkstattauswahl weiter eingeschränkt wird.

Wann ist ein Gutachten erforderlich?

Bei Schäden ist generell ein Gutachten sinnvoll. Die Versicherungen und die Rechtsprechung haben eine Grenze gezogen bei einer Schadenshöhe von ca. 800,- Euro, man spricht von einer Bagatellschadensgrenze.
Unterhalb dieser Grenze werden sogenannte Kurzgutachten erstellt zur Dokumentation des Schadensbildes. Dabei werden die Beschädigungen und ihre Kosten zur Beseitigung/Wiederherstellung erfasst und man verzichtet auf detailliertere Recherche bezüglich Wiederbeschaffungswert (WBW), Restwert (RW) und Nutzungsausfall (NA).

Lexikon / Begriffe

Haftpflichtschaden

Im Haftpflichtschadenfall ist der Unfallverursacher verpflichtet, dem Unfallopfer gemäß § 249 BGB den Schaden zu ersetzen, den er unfallbedingt erlitten hat. Der Unfallgeschädigte ist so zu stellen, wie er stehen würde, wenn der Unfall nicht eingetreten wäre. Im Haftpflichtschadenfall tritt kraft Gesetzes an die Stelle des Schädigers die Haftpflichtversicherung des Unfallbeteiligten (§ 3 Pflichtversicherungsgesetz). Beim Haftpflichtschadenfall werden Schadenersatzansprüche geltend gemacht.

Kaskoschaden

Im Kaskoschadenfall hat der Versicherungsnehmer bei einem selbst verschuldeten Unfall gemäß den Versicherungsbedingungen Anspruch auf Ersatz der unfallbedingten Schäden. Es handelt sich hier ausschließlich um vertragliche Ansprüche, die streng zu trennen sind von den Schadenersatzansprüchen im Haftpflichtschadenfall. Die Höhe der Ersatzleistung richtet sich stets nach den Versicherungsbedingungen (Kaskobedingungen). In der Regel hat der Versicherungsnehmer eine Selbstbeteiligung zu tragen.

Totalschaden

Von einem Totalschaden spricht man, wenn die Wiederherstellung des beschädigten Fahrzeuges entweder nicht möglich (technischer Totalschaden) oder unwirtschaftlich ist (wirtschaftlicher Totalschaden).
Der Anspruch auf Wiederherstellung verwandelt sich dann in einen Anspruch auf Geldersatz.
Technischer Totalschaden liegt vor bei völliger Zerstörung des Fahrzeugs oder bei Unmöglichkeit der Reparatur aus technischen Gründen.
Der wirtschaftliche Totalschaden liegt vor, wenn unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr von Reparaturwürdigkeit gesprochen werden kann.
Von einem unechten Totalschaden spricht man, wenn dem Geschädigten die Reparatur nicht zugemutet werden kann, obwohl die Summe aus Minderwert und Reparaturkosten geringer ist als die Differenz zwischen Wiederbeschaffung und Restwert.

Nutzungsausfall

Der Geschädigte, der kein Ersatzfahrzeug anmietet, hat grundsätzlich Anspruch auf Geldentschädigung im Sinne von § 249 Abs. 2 BGB für die Entziehung der Nutzungsmöglichkeit seines beschädigten Pkw`s. Die Höhe der Nutzungsausfallentschädigung bemisst sich u. a. nach der Reparaturdauer. Der konkrete Tagessatz kann bspw. der Nutzungsausfallentschädigungstabelle "Sanden, Danne, Küppersbusch" entnommen werden. Der Kfz-Sachverständige wird im Schadengutachten die technische Einordnung des Fahrzeuges für den Nutzungsausfall vornehmen.

Wiederbeschaffungswert

Der Wiederbeschaffungswert ist der Wert, den der Geschädigte für ein vergleichbares Fahrzeug bei einem seriösen Händler aufwenden muss. Der Sachverständige berücksichtigt bei der Ermittlung des Wiederbeschaffungswertes alle wertbildenden Faktoren sowie die örtliche Marktlage.

Restwert

Zur Definition des Restwertes hat der BGH bereits am 04.06.1993 entschieden, dass der Geschädigte bei Ausübung der Ersetzungsbefugnis des § 249 Abs. 2 BGB die Veräußerung seines beschädigten Kraftfahrzeugs grundsätzlich zu demjenigen Preis vornehmen darf, den ein von ihm eingeschalteter unabhängiger Sachverständiger als Wert auf dem allgemeinen Markt ermittelt hat. Auf höhere Ankaufpreise spezieller Restwertaufkäufer muss der Geschädigte sich in aller Regel nicht verweisen lassen.
Den Restwert ermittelt ein unabhängiger Sachverständiger unter Berücksichtigung des konkreten Schadenbildes und regionaler Marktgegebenheiten. (siehe auch BVSK -Restwertrichtlinie)

Wertminderung (merkantiler Minderwert)

Der Minderwert ist ein erstattungsfähiger Schaden, der damit begründet wird, dass ein Unfallwagen im Falle eines späteren Verkaufs einen geringeren Erlös erzielen kann, als Fahrzeuge ohne Vorschäden.
Der Minderwert wird durch einen unabhängigen Sachverständigen im Gutachten gesondert ausgewiesen.
Auch bei älteren Fahrzeugen kann ein merkantiler Minderwert anfallen.

130 %-Grenze

Übersteigen die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert um bis zu 30%, kann der Geschädigte das Fahrzeug dennoch instandsetzen lassen, soweit er das Fahrzeug weiter nutzt und die Reparatur fachgerecht durchgeführt wird.

Wertminderung (merkantiler Minderwert)

Der Geschädigte kann gemäß § 249 BGB frei wählen, ob er das Fahrzeug instandsetzen lässt oder ob er sich die ermittelten Reparaturkosten auszahlen lässt (fiktive Abrechnung). Liegen die Reparaturkosten oberhalb von 70%, wird bei der fiktiven Abrechnung nach herrschender Rechtsprechung der Restwert in Abzug gebracht (Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert = Entschädigungsbetrag).
Der Geschädigte darf in diesen Fällen sein beschädigtes Fahrzeug zu dem Wert veräußern, den der Sachverständige als Wert auf dem allgemeinen regionalen Markt ermittelt hat.